Aus der Pflicht eine Kür machen

Die Bergwerk-Kreative Stef Forberich und Inhaber Hans-Peter Brendel über die Anforderungen und die Wirkung von ESG-Reports.

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Bergwerk
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Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und über 40 Mio. Euro Nettoerlösen bzw. 20 Mio. Euro Bilanzsumme sind dazu verpflichtet, einen jährlichen ESG-Report vorzulegen. Auch für kleinere Unternehmen ist es sinnvoll, ihre Aktivitäten in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social, and Governance) zu veröffentlichen. Denn für immer mehr Kunden und (potenzielle) Mitarbeitende sind diese Themen so wichtig, dass sie eine Zusammenarbeit vom Umfang und von der Qualität der realisierten Maßnahmen abhängig machen. Stef Forberich und Hans-Peter Brendel beleuchten das Thema aus Sicht der Markenkommunikatorin und des Unternehmers.

Perspektive von Stef Forberich, Grafik-Designerin

Der ESG-Report ist für viele Unternehmen Pflicht. Die könnte man einfach erfüllen, indem man die geforderten Informationen in Word oder sogar in Excel aufsetzt. Meine Überzeugung jedoch ist: Ein ESG-Report kann und sollte viel mehr sein – die erweiterte Image- oder Leistungsbroschüre der Zukunft. Ein wertvolles Instrument, um die Unternehmens- und Markenwerte eines Unternehmens zu transportieren. Niemand sollte unterschätzen, welche Kraft so ein Dokument entwickeln kann, wenn es die richtige Bildsprache, gute Texte, eine ansprechende Gestaltung und leicht verständliche Infografiken hat.

Der ESG-Report dokumentiert die Aktivitäten eines Unternehmens hinsichtlich Umweltschutz, sozialer Belange und ethischer Unternehmensführung. Dabei geht es natürlich auch um Zahlen. Um sehr viele Zahlen. Meine Aufgabe – und auch Herausforderung – als Gestalterin besteht darin, die Flut an Daten und Fakten verständlich zu machen. Und im besten Fall auch Emotionen zu erzeugen. Schön gestaltete Informationsgrafiken verleihen trockenen Zahlen eine kreative Note, sind leichter zu merken und machen den ganzen Bericht zugänglicher. Als Leser möchte man doch fast schon spüren, was dem Unternehmen wichtig ist, was es „ausmacht“. Denn was bei einer Marke wirklich zählt, ist die Emotion, die man mit ihr verbindet. Ein gutes Konzept im Zusammenspiel zwischen Text und Gestaltung spricht alle Sinne an. Daher hat der ESG-Report aus meiner Sicht großes Potenzial zur Markendarstellung.

Ein ESG-Report kann und sollte viel mehr sein – die erweiterte Image- oder Leistungsbroschüre der Zukunft. <span class="quote-author"> Stef Forberich, Grafik-Designerin</span>


PDF, Broschüre oder digitales Erlebnis

Wie muss ein ESG-Report aussehen? Aktuell gibt es keine Gestaltungsvorgaben. Wie bei Geschäftsberichten sind elektronische Formate schon seit Jahren gängige Praxis. Gedruckte Exemplare gibt es nur noch in kleiner Auflage und auf Anforderung. Das ist beim Thema Nachhaltigkeit ja auch vollkommen logisch. PDFs bieten inzwischen so viele Möglichkeiten, dass sie einer gedruckten Broschüre hinsichtlich Attraktivität und Benutzerfreundlichkeit überlegen sind. Das einzige, was ihnen fehlt, ist eine eigenständige Haptik und dass sie nicht z.B. im Empfangsbereich eines Unternehmens ausgelegt werden können. Aber auch eine ESG-Website ist denkbar. Sie muss nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktional, erlebnisreich und technisch einwandfrei sein. Dazu gehört auch Barrierefreiheit. Die Informationen sollten klar strukturiert und verständlich präsentiert werden. Hier sind eine gute Navigation und die übersichtliche Darstellung der Kennzahlen in Form von Infografiken besonders wichtig.

Mein Resümee: Die Bedeutung des ESG-Reports für die Positionierung und Charakterisierung von Unternehmen wird steigen. Daher sollten die Verantwortlichen nicht bei einer Excel-Übersicht stehenbleiben, sondern mit einer hochwertigen Lösung die Chance zur Differenzierung im Wettbewerb nutzen und damit ihre Marke stärken.

Was passiert? Es entsteht ein völlig anderes Bewusstsein zu diesem Report. <span class="quote-author"> Hans-Peter Brendel, Unternehmer</span>

Perspektive von Hans-Peter Brendel, Unternehmer

Wir leben in Deutschland und in Europa. Es erreichen uns immer wieder Herausforderungen und Anforderungen, die wir nicht als lust- und erfolgsbringend empfinden und die mit finanziellem Aufwand verbunden sind.

Der ESG-Report ist aus meiner Sicht anders zu betrachten. Er bringt uns dazu, dass wir uns damit beschäftigen, was wir in diesem Bereich vielleicht sowieso schon tun, tun wollen oder in naher Zukunft tun müssen. Er gibt uns die Chance, gemeinsam mit unseren Mitarbeitern darüber nachzudenken, mehr Gutes zu tun.

Jeder gute Unternehmer setzt sich mit der Zukunft und der Sinnhaftigkeit seines Unternehmens auseinander. Was wäre, wenn es uns nicht gäbe oder wir das eine oder andere nicht tun? Solche Fragen provozieren. Doch sie ermöglichen es uns zu reflektieren, ob unsere Produkte und Dienstleistungen wirklich gebraucht werden. Ob wir gebraucht werden. Ob es Sinn macht, was wir tun.

Müssen wir „den Report“ wirklich machen? Wir sind gut beraten, wenn wir darüber nicht die Kenngrößen entscheiden lassen, sondern unsere Verantwortung und zugleich Chance für ein Statement wahrnehmen. Für uns selbst und für unsere Umwelt. Der Report gibt mir die Möglichkeit, mich und mein Unternehmen komplett zu hinterfragen: Was machen wir schon gut und wo können wir noch besser werden? Welchen Beitrag können und wollen wir leisten?

Unter diesem Blickwinkel ergibt dieser Report viel Sinn. Wir im Bergwerk sehen in einem ESG-Report (wobei ich das Wort nicht schön finde) eine große Möglichkeit, die echten und wahren Werte und Leistungen von Unternehmen darzustellen.

Gutes tun und darüber sprechen

Aktuell wird sehr viel auf der formalen Ebene diskutiert. Ab welcher Unternehmensgröße muss ich das tun? Wen und was brauche ich dafür? Welcher Berater kann das? Das Gesetz gibt die Leitplanken dafür vor. Viel wichtiger sind die Inhalte. Wenn wir uns die Punkte anschauen, die für den Report notwendig sind, stellen wir plötzlich fest: Wir tun oder planen vieles schon. Weil es für uns selbstverständlich ist. Das Problem ist nur: Keiner weiß das. Daher mein Appell: Verbinden wir das Formale mit dem Kommunikativen. Vereinen wir Zahlen und Fakten mit Ihrem Unternehmergeist und Ihren Werten. Was passiert? Es entsteht ein völlig anderes Bewusstsein zu diesem Report. Er verwandelt sich von einer Faktensammlung in Ihre Werte- und Verhaltensbroschüre. Er spricht alle Sinne an und macht Lust, gelesen zu werden. Er entfaltet eine wunderbare, geradezu magnetische Wirkung auf Menschen, die mit Ihnen und für Sie arbeiten möchten. So wird der ESG-Report zum Schlüssel für das Recruiting und für die Bestätigung Ihrer aktuellen Mitarbeiter. Sie wissen: Ja, ich bin im richtigen Unternehmen.

Digital? Analog? Dialog!

Wir im Bergwerk verbinden die digitalen und die analogen Möglichkeiten. Weil wir sie verstehen und wissen, wie sie wirken. Meine und unsere Kompetenz liegt in der Verständnisebene. Wir sprechen mit Ihren Spezialisten in den Fachbereichen und bereiten die Inhalte so auf, dass sie verstanden werden. Nicht nur vom Banker oder Steuerberater oder Investor, sondern auch von den Menschen nebenan. Warten wir nicht ab, bis wir etwas tun müssen, sondern tun wir es, weil wir es wollen. Und können.

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